Herzlich Willkommen!

Hast du Anregungen, Kritik, Ideen für diesen Blog oder möchtest du einen Artikel veröffentlichen, den du über eine CRUX-Aktion geschrieben hast. Hast du vielleicht einen guten Webtipp oder möchtest von einem Buch erzählen, das du gelesen hast? Wir freuen uns über deine Mail an blog@crux-koeln.de!

Montag, 8. Oktober 2012

Film & Religion: "Lizenz zum Heiraten"

„Drum prüfe wer sich ewig bindet … ob er dafür auch den „richtigen Geistlichen“ findet.“ Normalerweise spielen trauende Geistliche in Hochzeitsfilmen eine untergeordnete Rolle und tauchen erst auf, wenn das unvermeidliche Happy End am Altar ansteht. Eine Erfahrung, die leider auch viele Geistliche in der Ehepastoral machen müssen. Ganz anders verhält es sich mit dem Film „Lizenz zum Heiraten“. Pastor Frank, gespielt von Robin Williams, hat in seiner Gemeinde einen Ehevorbereitungskurs ins Leben gerufen, der durch verschiedene Kommunikationsübungen die Brautpaare davor bewahren soll, dass ihre Ehe später einmal scheitert. Die Teilnahme an dem Heirats-TÜV ist verpflichtend, das Ergebnis offen! Wenn er am Ende des Kurses das Gefühl hat, dass das Brautpaar unvorbereitet ist, behält er sich das Recht vor die Hochzeit abzusagen. Man mag über die harte Einstellung des Pastors denken was man will, auf jeden Fall macht der Film an dieser Stelle die Relevanz von Ehevorbereitungsseminaren deutlich. Denn groß ist die Not, die einmal entsteht, wenn Menschen sich blauäugig und womöglich noch im Taumel des Verliebtseins, in die Ehe stürzen.


Für viele Brautleute ist der Hochzeitstag der schönste Tag in ihrem Leben, jener Tag, an dem man sich vor dem Traualtar das Ja-Wort gibt und vor Gott verspricht, bis ans Lebensende zusammen zu bleiben. Was aber passiert, wenn man vor der Eheschließung zunächst noch beweisen muss, dass man wirklich für einander geschaffen ist? Genau dieser Frage geht Regisseur Ken Kwapis in seinem Film nach. „Wen interessiert schon“, so Kwapis, „ob man ein Jahr später vor dem Scheidungsrichter landet – wenn nur die Hochzeitstorte göttlich schmeckt.“ Diese Gefahr droht auch dem harmonischen Brautpaar Ben und Sadie. Als beide von Sadies Heimatpastor Frank erfahren, dass sie bei ihm an einem Ehevorbereitungsseminar teilnehmen müssen, sind sie nicht grade begeistert, denn 1. muss jeder von ihnen vor der Trauung ein persönliches Hochzeitsversprechen verfassen, und 2. müssen die Paare bis zur Hochzeit enthaltsam leben, nach dem Motto „Kein Sex vor den Flitterwochen“! Das ist hart und wird nicht leichter, denn im weiteren Verlauf des Films wird die Toleranzgrenze des Brautpaares immer mehr auf eine harte Probe gestellt. Pastor Frank und sein halbwüchsiger Assistent vom „Pfarrer-von-morgen-Programm“ lassen sich so einiges an Hindernissen einfallen und arbeiten mitunter auch schon mal mit unzulässigen Methoden, um die wahren Absichten der Brautleute auf den Prüfstand zu stellen und ihnen somit zu helfen bei ihrer Entscheidung die richtige Wahl zu treffen. Die Vertrauensübungen und Rollenspiele zur Konfliktlösung stoßen bei Ben und Sadie nicht grade auf Gegenliebe, so dass zunehmend Zwietracht zwischen den Liebenden gesät wird. Beim gemeinsamen Fahrtest mit verbundenen Augen, bei dem ihr Verlobter sie als Navigator lenken soll und entnervt aufgibt, bemerkt Sadie treffend: „Ist es das, was du in unserem Leben mal tun wirst? Einfach aufhören, wenn es schwierig wird? Ich muss auf dich zählen können. Ich fühle mich aber völlig allein gelassen!“ An dieser Stelle im Film, treten die verdeckten Charakterschwächen der beiden Protagonisten zu Tage, weil man merkt, dass den beiden eine entscheidende Grundbasis für das eheliche Leben noch fehlt, nämlich das gegenseitige Vertrauen und die Fähigkeit mit Konflikt- und Stresssituationen im Alltag umzugehen. Zudem müssen sich beide eingestehen, dass sie zu manchen wichtigen Fragen der gemeinsamen ehelichen Zukunft verschiedene Ansichten haben, nicht nur was den Kinderwunsch und die Kindererziehung anbetrifft. Ben und Sadie müssen noch viel übereinander lernen und einsehen, dass jede echte Beziehung der aufrichtigen Kommunikation bedarf und aus vielen kleinen und großen Kompromissen besteht, was auch der Schluss des Films deutlich macht.

Auch wenn so manche Methode von Pastor Frank fragwürdig bleibt, hält der Film für die Ehepastoral wahrlich eine Fundgrube an Ideen bereit und bietet darüber hinaus viel Diskussionsstoff über die eigentlichen Fundamente der Ehe und die immer wichtiger werdende Bedeutung einer guten Ehevorbereitung, die über das Ausfüllen des Ehevorbereitungsprotokolls hinausgeht. Braucht man eine „Lizenz“ zum Heiraten? Der Film legt das zumindest nahe und die hohe Scheidungsquote vielleicht auch. Er scheint seinen Zuschauern gerade zu zuzurufen: An Konflikten und Krisen muss eine Beziehung nicht zerbrechen, sie kann daran auch reifen. Trauen wir uns über das, was uns in Beziehungen wirklich wichtig ist, zu sprechen, bevor wir ein Versprechen ablegen!


Pfr. Norbert Fink, Kreisjugendseelsorger Oberberg

1 Kommentar:

  1. Hallo, ich schätze für eine solche heißes Thema. Die Ehe ist eine wunderbare Institution, aber wer will schon in einer Institution leben? Wenn heiraten, fragen Sie sich diese Frage: Glauben Sie, dass Sie in der Lage, gut zu unterhalten mit dieser Person in Ihrem Alter? Alles andere in der Ehe ist vergänglich.

    AntwortenLöschen