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Montag, 3. Dezember 2012

Film und Religion: Der Baader Meinhof Komplex

Vom Idealismus zum Fanatismus: Geschichte im Zeit-RAF-fer.


Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin – Drei Namen, die für das dunkelste Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte stehen. Der Film „Der Baader Meinhof Komplex“ aus dem Jahr 2008 beginnt mit einer Strandidylle. Was dann chronologisch folgt, ist die blutige und gewalttätige Geschichte der RAF (Rote Armee Fraktion), die Deutschland über Jahre hinweg erschütterte und viele Zeitgenossen in einer politisch aufgeladenen Zeit in Ohnmacht, Angst und Wut versetzte. Sie beginnt 1967 mit dem Studentenprotest der APO (Außerparlamentarische Opposition) gegen den Deutschlandbesuch des Schahs von Persien und endet im „Deutschen Hebst 1977“ mit der Ermordung des von der RAF entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer sowie dem darauf folgenden Selbstmord der RAF Gefangenen im Gefängnis Stammheim.

Dabei zeigt der Film, auf äußerst spannende Art und Weise, wie schnell legitimer Protest gegen Ungerechtigkeit moralisch fragwürdig werden kann, wenn vor menschlichen Opfern nicht mehr zurückgeschreckt wird, wenn aus einer Ideologie rücksichtsloser Fanatismus wird, wenn aus Teilen einer anfangs friedlichen Protestbewegung rohe Gewalt und ein radikaler, bewaffneter Widerstands-Terrorismus entsteht, weil Worte allein als Waffe nicht mehr ausreichen. „Nur die Knarre, löst die Starre!“, sagt Andreas Baader bezeichnender Weise an einer Stelle des Films, der in den Hauptrollen mit Moritz Bleibtreu, Martina Gedeck und Bruno Ganz, prominent besetzt ist. Bei dem Film handelt es sich um die Adaption des gleichnamigen Buches von Stefan Aust aus dem Jahr 1985. Zwar werden diverse Archivbilder des Vietnamkriegs und von Studentenrevolten rund um den Globus zu einer Art „Best of“ komprimiert, aber mehr an Kontext und Verankerung der RAF in der politischen 68er-Bewegung, gibt es darüber hinaus nicht.

Der Film lässt die Fakten fast so unerbittlich auf sein Publikum einprasseln wie später die Kugeln auf die RAF Opfer. Es ist nachvollziehbar, dass die historischen Vorgänge und Morde an Buback, Ponto und Schleyer stark komprimiert wiedergegeben werden müssen, nur bleiben gerade dadurch viele Zusammenhänge im Ungewissen, wie auch zahlreiche Personen, die nur am Rande oder erst gar nicht eingeführt werden. Im Vorsatz, den Mythos der RAF durch eine exzessiv zur Schau gestellte Brutalität zu entzaubern, läuft der Film Gefahr, einen neuen Mythos zu schaffen. Denn gerade für das jüngere Publikum scheinen die Terroristen der RAF nicht mehr zu sein, als eine Bande von charismatischen Outlaws. Jüngere Zuschauer, die die Zeit nicht mehr selbst erlebt oder das Thema nur vom Hörensagen her kennen, dürfte „die Geschichtslektion im ZeitRAFfer“ wohl eher ratlos zurücklassen, weil der Film mehr Fragen aufwirft als er beantworten kann. Der Hass auf den Imperialismus der USA, den Vietnamkrieg, die Nazi-Altlast der noch auf wackligen Beinen stehenden Deutschen Republik, in der jeder Polizeieinsatz wie eine faschistische Handlung aussieht und in der viele Deutsche noch paralysiert durch das Dritte Reich, sich selten eine eigene politische Meinung zutrauen sowie die „Märtyrer“ Dutschke und Ohnesorg – musste all dies zum Krieg gegen die Republik führen? Die Geschichte bleibt im Schlaglicht-Gewitter nebulös.

Was man aber dem Film zu Gute halten muss, ist, das er zum einen ein wichtiges Zeitzeugnis abgibt um auch aktuelle politische Entwicklungen verstehen und bewerten zu können und zum andern, dass er mit jeder Filmminute immer deutlicher aufzeigt, dass Hass, Wut und Gewalt der falsche Weg sind um etwas zu verändern. Was zunächst vielleicht noch Verständnis für Baader und Co. hervorruft, malt schon bald den Wahnsinn des Terrors deutlich auf die Leinwand.

Die Motive und Mechanismen des Terrors waren und sind immer noch ein internationales Thema, das die Welt heute mehr denn je beschäftigt.


Norbert Fink, Kreisjugendseelsorger Oberberg

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